Der Wendehals

Foto: NABU/Tom Dove
Foto: NABU/Tom Dove

Redigierte Auszüge 2025 aus der Präsentation von Armin Konrad 2018

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Obwohl der Wendehals (Jynx torquilla) eher wie ein Singvogel aussieht, gehört er  zu den Spechten. Sein Name bezieht sich auf das häufige Wenden des Kopfes: Bei Gefahr plustert er sich auf und dreht und wendet seinen Kopf hin und her. Englisch Wryneck = Schiefhals.

Steckbrief

Foto: © NABU/Helge May
Foto: © NABU/Helge May

 Besonderheiten 

 

- einziger Langstreckenzieher unter den Spechten

- klettert nicht an Baumstämmen hoch
 -  Nahrung: Boden-und Wiesenameisen
 -  Höhlenbrüter, baut aber keine eigenen Höhlen
 -  trommelt nicht
  - charakteristischer Gesang/Ruf

 

Aussehen

 

Länge: 16, 5 cm
Gewicht: 35 g (max. 50 g)

 

Die Oberseite ist grau gefärbt, die Flügel sind überwiegend braun. Im Flug ist ein dunkelbraunes Band auf dem Rücken zu erkennen. Überall befinden sich dunkle Flecken und Bänderungen. Die Geschlechter sind gleich gefärbt.

 

Beobachtung – Chancen im Norden Baden-Württembergs

 

Wendehälse sind gut getarnt und in vielen Teilen Deutschlands sehr selten. Die besten Chancen haben Sie in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder im Norden Baden-Württembergs. Suchen Sie alte Obstwiesen oder offene Wälder auf und achten Sie auf den Gesang des Männchens.

Lebensraum und Nahrung

Der Wendehals bevorzugt Lebensräume wie Obstwiesen, lichte Wälder, strukturreiche Parks oder Gärten sowie Weinberge. Hier bewohnt er vorgefundene Baumhöhlen oder Nistkästen.

Foto: NABU/H. May
Foto: NABU/H. May

Der Ameisenspezialist

Die Hauptnahrung vom Wendehals besteht aus Rasen-, Wiesen- oder Wegameisen sowie deren Larven und Puppen. Waldameisen werden meistens gemieden. Der Vogel spürt am Boden hüpfend die Ameisen auf, die er dann mit seiner langen, klebrigen Zunge aufnimmt.

 

In sehr geringem Umfang fressen Wendehälse auch Blattläuse, kleine Käfer, Schmetterlingsraupen und Spinnen. Und ganz gelegentlich stehen auch weiche Früchte wie Holunderbeeren auf seinem Speiseplan.

Fotos: Silvia Huber; Bildarchiv LUBW, M. Witschel; Reinhard Wolf
Fotos: Silvia Huber; Bildarchiv LUBW, M. Witschel; Reinhard Wolf

Hier findet der Wendehals Nahrung:

Links: Blütenreiche Wiese mit lockerem Aufwuchs
Mitte: Durch Streifenmahd stehen immer frisch gemähte Bereiche für die Insektenjagd zur Verfügung
Rechts: Extensive Schafbeweidung schafft lückige Vegetation für Bodenjäger.

Foto: NABU/Thomas Hinsche
Foto: NABU/Thomas Hinsche

Überwinterung und Bestand

Langstreckenzieher – bis West- oder Zentralafrika

Die Vögel der europäischen Population überwintern in Afrika südlich der Sahara.
Der Wendehals überfliegt die Alpen, meidet aber den Flug über das Mittelmeer. 
Sie verlassen die Brutgebiete hier ab Mitte August und kehren meist ab Mitte April in diese zurück.

Update 2025: Zunehmend werden Überwinterungen in Südspanien oder Griechenland dokumentiert.

Bestandsentwicklung

Rund 45 % des Gesamtbestandes lebt in Europa.
Der europäische Bestand wird auf knapp 600.000 Brutpaare geschätzt. 
Der Trend ist seit längerer Zeit rückläufig. In den letzten 50 Jahren hat sich die Bestandsabnahme stark beschleunigt.
In Baden-Württemberg leben ca. 1.700 – 2.500 Brutpaare (2018)

Rote Liste 
Deutschland: Kategorie 2 – stark gefährdet
Baden-Württemberg: Kategorie 2 – stark gefährdet


Update 2025: Wendehälse sind durch den Verlust ameisenreicher, nährstoffarmer Grasflure durch Eutrophierung, Flurbereinigungen, Rodung von Streuobstbeständen und Anwendung von Insektziden gefährdet. Sie profitieren aber von Schutzmaßnahmen wie Nistkästen und konnten in der Roten Liste herabgestuft werden.

Beobachtungen in Heidelberg und Umgebung seit 2012

Quelle: ornitho.de - Hintergrundkarte: Google Satellite
Quelle: ornitho.de - Hintergrundkarte: Google Satellite

Artenschutz: Probleme sind Nahrungsmangel und -verfügbarkeit

Der Wendehals ist ein ausgesprochener Nahrungsspezialist. Seine Futter-Ameisen benötigen lockere unverdichtete Böden zum Bau ihrer Erdnester. Er erreicht seine Nahrung nur, wenn die Vegetation nicht zu dicht und hoch ist, bzw. dort, wo ein hoher Anteil offener Bodenstellen vorhanden ist.

Foto: April Nobile / © AntWeb.org / CC BY-SA 3.0
Foto: April Nobile / © AntWeb.org / CC BY-SA 3.0

Ungünstig sind

-  Düngung und Stickstoffeintrag aus der Luft (Vegetationsverdichtung)

-  zu spätes Mähen (hochgewachsene Vegetation) 

 

 

Artenschutzmaßnahmen

 

Der Wendehals ist ein Höhlenbrüter, baut aber keine eigenen Bruthöhlen. Er ist also auf natürliche Baumhöhlen, alte Spechthöhlen oder – wo diese fehlen – auf Nisthilfen angewiesen.

 

Generell gilt für den Artenschutz: alte Höhlenbäume erhalten!

Foto: ein mardersicherer Wendehalskasten aus Holzbeton.

Wendehalsprojekt in Heidelberg

Start in ausgewählten Gebieten

6 bis 8 Nisthöhlen pro Gebiet 

 

2019 sollen hauptsächlich in der Weinbauzone zwischen Rohrbach und Leimen Niströhren für den Wendehals aufgehängt werden (Bild).

 

Weitere Gebiete sind am Kohlhof und am Steinberg.

 

50 Niströhren wurden dafür von der Stadt Heidelberg zur Verfügung gestellt.

  • Auswahl der Gebiete (Herbst)
  • Ausbringung der Nisthöhlen (Februar)
  • Geeignete Bodenbearbeitung während der Zug-und Brutzeit
  • Monitoring der Vorkommen während der Brutzeit
  • Bei Erfolg -Ausweitung auf andere Gebiete 


Kooperationspartner
Umweltamt (Stadt Heidelberg), OGWV Rohrbach, Winzer, Landwirte, Heidelberger Biotopschutz e.V. (HBS), NABU Heidelberg, OAG Rhein-Neckar,Christian Zurek (Wendehalsprojekt Südhessen).

 

 

Quelle für das Update 2025: NABU Vogelporträt Wendehals

 

 

  

 

Letzte Aktualisierung: 03.01.2026 (MP)