
Am ehemaligen Kernkraftwerk Biblis brütete seit Jahrzehnten eine der größten Mehlschwalben-Kolonien Südhessens – rund 400 Nester befanden sich an den Kühltürmen. Der vierte und letzte Kühlturm ist am 16. Januar 2026 gefallen. Ausweichnistplätze wie Schwalbentürme wurden bislang nicht ausreichend angenommen und erwiesen sich auch als verkeimt.
Es müssen umgehend Ausgleichsmaßnahmen an Gebäuden organisiert werden. Die acht, nicht sicher und artgerecht aufgestellten Schwalbentürme müssen gebäudenah versetzt, Mehlschwalbenbretter angebracht und rechtzeitig Stimmen von Artgenossen eingespielt werden. Ob das klappt, kann keiner sagen.
Nachlesen: RWE hat Tatsachen geschaffen, die Stimmen der Naturschützer ignoriert.
Die wiedergegebenen Texte stammen aus der Kommunikation von Kirsten Dressel (NABU Heidelberg und Mauerseglerhilfe Apus e.V.) über die Petition https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-vermutlich-groesste-mehlschwalbenkolonie-an-den-kuehltuermen-des-akw-biblis
Petitionstext 22.12.2025
Die Zeit rennt, denn im Januar 2026 soll auch der letzte von vier Kühltürmen fallen, an denen seit Jahrzehnten die Mehlschwalben brüten. Mit etwa 400 Nestern, die vermutlich größte Kolonie
Südhessens, wenn nicht sogar Deutschlandweit.
Daher fordern wir von den zuständigen Behörden, den sofortigen "STOP" und das Aussetzen der Abrissgenehmigung, für den Abriss des letzten Kühlturm am AKW Biblis, ODER die Schaffung adäquater
Ausgleichsmaßnahmen bis zum 28.02.2026. Eine weitere Forderung ist, dass die Umsiedlung von einem nachweislichen Schwalbenspezialisten/ in begleitet wird.
Eine Umsiedlung der Schwalben darf nicht Jahre dauern sondern muss direkt geschehen. Um sich zu reproduzieren, müssen sie jedes Jahr erfolgreich brüten, da ihr Durchschnittsalter nur
2,1-2,5 Jahre beträgt. Ein ausbleiben des Brutgeschehen, bedeutet das "AUS" für diese riesige Mehlschwalbenkolonie.
Deshalb müssen adäquate Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden. Um diese zu schaffen, müssen spezielle Mehlschwalbenbretter, die hitzebeständig und prädatorensicher sind, an hohen Gebäuden im
direkten Umfeld der Kühltürme auf dem AKW Gelände Biblis, installiert werden. Diese dann unbedingt mit Beschallung ausstatten (sollte dann aber auch mehrere Stunden am Tag laufen), damit die
Mehlschwalben angelockt werden. Das wäre die einzige Chance um die Biblis Schwalben zu retten!
Schreibt alle die Behörden und RWE an - immer und immer wieder!
Ob als Mail oder per Post, nur gemeinsam können wir den Druck aufrecht erhalten, damit sich noch was ändert!
Nebenbei werden wir auch anwaltlich begleitet. Wir schreiben auch immer wieder die Presse, Fernsehsender, Umwelt- und Tierschutzorganisationen an. Genauso bekannte Tierschützer auf Instagram und YouTube.
Hier die Kontaktdaten der Behörden
Matthias Schimpf
Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter
Gräffstraße 5
64646 Heppenheim
Tel. 06252 15-5911
[email protected]
UNB Kreis Bergstraße
Walther-Rathenau-Straße 4
64646 Heppenheim
Tel. 06252 15-0
[email protected]
RWE Nuclear GmbH Rückbauanlage Biblis
z.H. Jan Peter Cirkel
Postfach 1140
68643 Biblis
Tel. 0201 5179-8451
[email protected]
Obere Naturschutzbehörde
Andrea Schmitz
Abteilungsleiterin Dezernat V
Luisenplatz 2
64283 Darmstadt
Tel. 06151 125333
[email protected]
Exemplarisches Anschreiben
Sehr geehrte/r [Name],
wie kann es sein, wo Artenschutz mittlerweile extrem wichtig ist,
…dass eine Mehlschwalbenkolonie mit 400 Nestern an den ehemaligen Kühltürmen des AKW Biblis einfach vernichtet wird?
...dass eine Naturschutzbehörde mit der Anordnung adäquater Ausgleichsmaßnahmen an den Gebäuden des AKW Biblis völlig versagt?
....dass RWE sich nach wie vor strikt weigert, diese einzigartige und immens wichtige Mehlschwalbenkolonie mit geeigneten Maßnahmen zu retten?
....dass RWE mit gefährlichem Halbwissen Aussagen tätigt, dass die errichteten Schwalbentürme geignet wären und mit Sicherheit auch angenommen würden?
....dass trotz Schimmelbefall der Schwalbentürme dieser Standort in einem Feuchtgebiet wie dem Rheinufer auf den Wiesen beibehalten wird und RWE wie auch die Naturschutzbehörde weiterhin daran
festhalten, obwohl es dort völlig ungeeignet ist?
....dass ein Unternehmen wie RWE auf seiner Homepage für den Schutz der Natur wirbt und hier völlig versagt?
Hier wird von allen Beteiligten das Auslöschen einer der größten Mehlschwalbenkolonien Deutschlands billigend in Kauf genommen! Damit sind ich und tausende von weiteren Unterstützern der Petition
www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-vermutlich-groesste-mehlschwalbenkolonie-an-den-kuehltuermen-des-akw-biblis nicht einverstanden!
Bitte setzen Sie zur Rettung der Kolonie die dringenden Empfehlungen der Fachleute mit jahrelanger Expertise um.
Wir bräuchten dringend Eure Hilfe beim Monitoring, also beobachten, der Mehlschwalben am AKW Biblis.
Die ersten Mehlschwalbensichtungen in Deutschland wurden gemeldet, eine Meldung war sogar schon in der Nähe von Biblis. Sie kehren jetzt also langsam zurück aus ihren Überwinterungsquartieren. Wir geben den Kampf um die Rettung dieser wertvollen Mehlschwalbenkolonie nach wie vor nicht auf!
Nun müssen wir möglichst auch Daten sammeln, sprich Fotos, Videos und Anzahl der Mehlschwalben und vor allem Darlegungen, dass die Schwalbentürme als Ausgleichmaßnahme, NICHT angeflogen werden, wie wir ziemlich sicher sind. Alleine schaffen wir das nicht 😒 daher die Bitte, uns dabei zu unterstützen: Einige wohnen vielleicht in der Nähe und hätten Zeit und Lust, aktiv mitzuhelfen - gerne bei mir melden!
Herzliche Grüße
Kirsten Dressel
Aufgrund der von uns schon mehrfach bemängelten und absolut ungeeigneten Standortwahl, hat sich, wie kürzlich entdeckt, ein nicht annehmbarer Sachverhalt ergeben, der die Nutzung der Mehlschwalbentürme für die Mehlschwalben und deren Brut als tödlich erweist. Die feuchten Standorte in den Wiesen und Senken im Rheinvorland, haben die verbauten Materialien und für städtische/ urbane Gebiete erdachten Türme, innerhalb von nur 3 Jahren, mit sichtbaren Schimmelflechten und deren unsichtbaren Sporen überzogen. Hier stellt sich die Frage, wie dies bei einem extra angeordneten Monitoring unentdeckt bleiben konnte.
Das ist für die von uns bereits mehrfach und ausführlich ausgeführten negativen Besiedlungskriterien (Überhitzung, Prädatoreneinflüge, unakzeptabler Standort) das endgültige Aus.
Pilze und deren Sporen führen in geringsten, nicht sichtbaren Mengen, zur gefürchteten Aspergilliose bei Vögeln, deren Verlauf generell tödlich endet! Eine Reinigung durch fungizidabtötende
Substanzen oder anderweitige Behandlungen der Türme ist fachlich ausgeschlossen, da auch dies zu einem tödlichen Verlauf der Vögel führen würde. Weitere Türme werden aufgrund der hohen
Luftfeuchte durch den angrenzenden Rhein und der dauerhaft aufsteigenden Luftfeuchte der Böden im Rheinvorland, ebenso infiziert werden.
Mehlschwalbentürme sind nicht für das Freiland geeignet!
Erste Mehlschwalben wurden bereits gesichtet, OHNE das adäquate Ersatzmaßnahmen getroffen wurden!
Damit wird eine der bedeutendsten Brutkolonien Deutschlands, u. E. rechtswidrig für immer zerstört!
Die "freiwillige" Maßnahme (auf Nachfrage bei verschiedenen Behörden, werden Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis 1:2 gefordert/angeordnet) von RWE im Deichvorland, ist aufgrund der feuchten Böden und der von RWE bestätigten Überschwemmungen des Gebietes, ebenfalls sinnlos. Hier wird es nachvollziehbar noch schneller zur Verkeimung durch Pilzbefall kommen.
Nach Recherchen in den öffentlichen Medien, werden die beiden Maschinenhallen nicht abgerissen. Hier soll es künftig eine Zusammenarbeit von RWE und Focused Energy geben. Laut Aussagen und verschiedener Berichte, wie auch einer Machbarkeitsstudie von Focused Energy, eignen sich gerade dort die bestehenden Gebäude hervorragend für ein Laserfusionskraftwerk.
RWE steht in der Verantwortung, dass die zerstörten Mehlschwalbennester artgerecht und artspezifisch kompensiert werden, was bei Gebäudebrütern dementsprechend an Gebäuden umgesetzt werden muss, um damit eine hohe Prognosesicherheit zu gewährleisten.
Schwalbentürme sind dort völlig sinnlos und laut Studien sehr umstritten und mittlerweile nicht mehr ratsam.
Gerne die Behörden auch selbst anschreiben oder anrufen, um den Druck noch zu erhöhen...
Herzliche Grüße
Kirsten Dressel
Am Donnerstag 28.02.2026 konnten wir Dezernent Matthias Schimpf Kreis Bergstraße bei einem gemeinsamen Treffen mit der UNB Kreis Bergstraße und zwei zuständigen Mitarbeiter von RWE nochmal unser Anliegen zur Anbringung adäquater Ausgleichsmaßnahmen wie spezielle Schwalbenbretter vortragen.
Dies wurde abgelehnt, da einige Gebäude nicht mehr RWE gehören, andere rückgebaut und dann abgerissen würden. Eigenen Recherchen zufolge sollen aber genau die beiden hohen Gebäude, die sich hervorragend für die Anbringung der Schwalbenbretter eignen, bestehen bleiben. Warum macht hier die UNB keinen Druck und unterstützt vielmehr Maßnahmen am Rheinufer, weg vom RWE Gelände?
[...]
Die Historie ist weiter nachzulesen in der Petition unter "Neuigkeiten".
Letzte Aktualisierung 06.04.2026 (MP)