Das Rebhuhn

Vogel des Jahres 2026

Foto: NABU/Herrmann Hirsch
Foto: NABU/Herrmann Hirsch

Das Projekt "Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!"

Das Rebhuhn als Leitart für eine artenreiche Agrarlandschaft

Früher war das Rebhuhn einer der häufigsten Vögel unserer Agrarlandschaft. Seit 1980 sind die Bestände des Feldvogels allerdings europaweit um 94 Prozent zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Rebhuhn inzwischen als „stark gefährdet“ eingestuft. In Baden-Württemberg ist die Art sogar „vom Aussterben bedroht“. Gründe dafür sind:

  • immer weniger strukturreiche Offenlandschaften mit Brachen, mehrjährigen Blühflächen und Feldrainen
  • der Einsatz von Pestiziden
  • die Zunahme von Prädation
  • und das Zusammenwirken dieser drei Hauptursachen.

Höchste Zeit also, das Rebhuhn vor dem Aussterben zu retten! Unser Arbeitskreis Feldflur ist langjährig im Rebhuhnschutz tätig. Lesen Sie auch hier weiter und machen Sie vor Ort mit!

Der NABU ist Projektpartner in Baden-Württemberg

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V. (DDA), der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) und die Abteilung Naturschutzbiologie der Georg-August-Universität Göttingen haben sich mit 12 weiteren Projektpartnern in einem sechsjährigen Verbundprojekt zusammengeschlossen, um das Rebhuhn zu retten und gleichzeitig die Vielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern: https://www.rebhuhn-retten.de/Auch der NABU engagiert sich.

Ab 2023 werden in zehn Projektgebieten in acht Bundesländern großflächig Maßnahmen in unterschiedlichen regionalen Naturräumen für den Rebhuhnschutz umgesetzt. Das Projektgebiet in Baden-Württemberg umfasst einen etwa 2.650 km² großen Verbundraum, der sich über die Gäulandschaften und das Neckarbecken von Tübingen bis Heilbronn erstreckt. Hier finden sich einige der fruchtbarsten Ackerböden und einige der letzten größeren Rebhuhnvorkommen im Land.

 

Innerhalb dieser Gebietskulisse liegen die zwei Modellgebiete „Westlicher Landkreis Tübingen“ und „Schmidener Feld in Fellbach“ bei Stuttgart, die zusammen ca. 129 km² groß sind.

Die Regionen um Tübingen und Stuttgart


Wo Rebhühner ihre Küken großziehen

Das Rebhuhn braucht mehr gute Bruthabitate, d.h.

  • Mehr ungenutzte, große Flächen für eine erfolgreiche Brut. Schmale Blühstreifen und andere kleinräumige Saumstrukturen werden oft nicht genutzt oder sie sind eine ökologische Falle, weil Bodenprädatoren hier leichtes Spiel haben. 
  • Mehrjährige strukturreiche Blüh- und Bracheflächen, welche bereits zur Zeit der Auswahl des Brutplatzes (März/April) einen genügend hohen Vegetationsbestand aufweisen und bis zum Selbstständigwerden der Küken (Mitte August) ungestört bleiben.
  • Eine extensivere Bewirtschaftung, der Verzicht auf Pestizide und eine angepasste Düngung fördern die Vielfalt von Insekten und Wildkräutern und damit die Nahrung für Alt- und Jungvögel.  
Junges Rebhuhn: Foto: Herrmann Hirsch/NABU
Junges Rebhuhn: Foto: Herrmann Hirsch/NABU

Das Rebhuhn ist eine Leitart für artenreiche Agrarlandschaften und steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Tierarten. Durch die im Projekt angelegten Maßnahmen mit ihrem höheren Blütenangebot und Deckungsmöglichkeiten profitieren weitere Arten der Agrarlandschaft, wie Feldlerche, Feldhase, Schwalbenschwanz & Co.

 

Deshalb wird der Anstieg der Artenvielfalt und die Siedlungsdichte weiterer ausgewählter Arten mituntersucht. Wesentlich ist die Mitarbeit von Landwirtinnen und Landwirten.

Wissenswertes über das Rebhuhn

Kleiner Feldbewohner im schlichten Federkleid

Das Rebhuhn (Perdix perdi) gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Anders als seine schillernden Verwandten verzichtet es auf auffälligen Federschmuck. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Ihr graubraunes Gefieder ist perfekt getarnt für ein Leben am Boden. Der markante Bauchfleck verrät das erwachsene Männchen, beim Weibchen ist er weniger ausgeprägt. 


Rebhühner sind tag- und dämmerungsaktiv, aber selten zu sehen. Meist hört man nur den rauen Revierruf des Männchens – ein schnarrendes „girrhäk“ in der Morgendämmerung. Außerhalb der Brutzeit sind die Rebhühner meist in Gruppen unterwegs. Erwachsene Rebhühner fressen mit Vorliebe Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreide. 


Die Weibchen legen als standorttreue Bodenbrüter bis zu 20 Eier in gut versteckte Nester. Nach dem Schlüpfen – meist am selben Tag – führen beide Eltern ihre Küken gemeinsam. Die Küken folgen als Nestflüchter ihren Eltern von Beginn an und suchen ihre Nahrung selbständig: kleine Insekten, Asseln, Spinnen und Schnecken – angesichts des dramatischen Insektensterbens nicht leicht! Später kommt zunehmend pflanzliche Nahrung dazu.  Auch wenn die Jungvögel nach fünf Wochen selbstständig sind, bleibt die Familie als sogenannte „Kette“ bis zum Winter zusammen. 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung: 30.12.2025 (MP)